Nexus: Antifeminismus, Online-Radikalisierung und extremistische Milieus
Antifeminismus darf nicht pauschal mit Extremismus gleichgesetzt werden. Es handelt sich zunächst um eine strukturierte Form der Gegenwehr gegen Gleichstellung, die jedoch häufig als Brückenargument für rechtsextreme oder andere menschenfeindliche Ideologien genutzt werden kann. In der Prävention ist dieser Nexus von zentraler Bedeutung, da die Identifikation mit einer männlichen Opferrolle oft als erster Schritt einer Radikalisierung fungiert. Dieser Prozess kann von Frauenhass ausgehend weiter zu Rassismus und Antisemitismus führen. Solche starren Geschlechterbilder finden sich dabei nicht nur in politischen Foren, sondern auch bei religiösen Fundamentalisten, die dogmatische Vorstellungen von Rollenbildern verbreiten.
Ein wesentliches Merkmal für die Radikalisierungsrelevanz ist das Auftreten antifeministischer Motive in unterschiedlichen ideologischen Kontexten. Eine besondere Schnittstelle bilden Verschwörungserzählungen. Hierbei werden oft Narrative wie der „Kulturmarxismus“ oder eine vermeintliche „gynozentrische Weltordnung“ aufgegriffen. Diese Narrative dienen dazu, komplexe gesellschaftliche Veränderungen als bösartigen Plan einer „Elite“ darzustellen, was eine sachliche Debatte unmöglich macht (AFETS-Handbuch, 2026). Sobald Personengruppen als grundsätzlich minderwertig oder manipulativ dargestellt werden, ist die Grenze der demokratischen Aushandlung und der Menschenwürde überschritten.
Digitale Räume begünstigen diese Entwicklungen durch spezifische Dynamiken der Normalisierung und Eskalation. Während soziale Medien manosphere-nahe Inhalte durch algorithmische Empfehlungen sehr niedrigschwellig zugänglich machen, findet auf anonymen Imageboards oft eine weitere inhaltliche Verschärfung statt. Diese Räume fungieren als Echokammern, in denen die Bereitschaft zum Hinterfragen der eigenen Position verloren geht. Für die Prävention ist es entscheidend, nicht einzelne Plattformen oder Begriffe isoliert zu bewerten, sondern inhaltlich zu prüfen. Ein deutliches Warnsignal ist dabei die Legitimation von Gewalt: „In einigen manosphere-nahen Narrativen wird Aggression als Mittel oder sogar Notwendigkeit zur „Wiederherstellung einer natürlichen Ordnung“ oder zur Verteidigung männlicher Ehre dargestellt.“ (AFETS-Handbuch, 2026).
Weiterführende Literatur und Quellen:
Ariane Wolf / Elisabeth Hell, Antifeminismus - Warum sexistische Ideologien eine Aufgabe für die Extremismusprävention sind, 2021 – Beleuchtet Misogynie als Verbindungselement zwischen verschiedenen extremistischen Milieus und deren Relevanz für die Prävention.
Vildan Aytekin, Incel-Subgruppen und ihre Dynamiken innerhalb der Mannosphäre, 2024 – Beleuchtet das spezifische Feld muslimischer Incels („Mincels“) und die Nutzung religiöser Texte zur Legitimation patriarchaler Rollenbilder.
Gunda-Werner-Institut / Andreas Kemper, Antifeministische Narrative, 2024 – Ein Diskursatlas, der zentrale antifeministische Narrative und Signalwörter aufbereitet, um deren Funktion als „Brückenideologie“ erkennbar zu machen.
Antifeminismus
Antifeminismus stellt weit mehr als eine bloße Privatmeinung zu Geschlechterfragen dar. Er ist eine strukturierte Form der Gegenwehr gegen emanzipatorische Bestrebungen, geschlechtliche Vielfalt und Gleichstellungspolitik. In der pädagogischen Praxis begegnen Fachkräften häufig Begriffe, die Gleichstellungsarbeit als „Ideologie“ oder „Umerziehung“ diskreditieren. Oft wird dabei versucht, Forderungen nach Gleichberechtigung als übertrieben oder unnötig darzustellen, um bestehende Hierarchien zu schützen. Das Narrativ „Feminismus übertreibt“ ist ein häufiges Argumentationsmuster im antifeministischen Spektrum. Es wird genutzt, um feministische Forderungen als übertrieben oder unnötig darzustellen und Fortschritte in der Gleichstellung zu relativieren. (AFETS-Handbuch, 2026). Eng verknüpft ist dieses Phänomen mit Misogynie, der systematischen Abwertung von Frauen sowie von Eigenschaften, die gesellschaftlich als „weiblich“ markiert sind.
Ein zentrales rhetorisches Muster ist die Relativierung von Gleichstellungserfolgen. Besonders wirkmächtig ist dabei die Täter-Opfer-Umkehr: Männer werden als die „eigentlichen Opfer“ gesellschaftlicher Veränderungen stilisiert. Diese Identifikation mit einer männlichen Opferrolle kann als Einstieg in extremistisches Gedankengut fungieren, das über Frauenhass zu weiteren Ideologien der Ungleichwertigkeit wie Rassismus führt. Die Vereinbarkeit mit demokratischen Grundwerten bemisst sich primär am Umgang mit der Menschenwürde. Während legitime Kritik politische Positionen hinterfragt, ohne die Menschlichkeit des Gegenübers anzuzweifeln, wirkt antifeministische Rhetorik oft entmenschlichend. „Wenn Gruppen als grundsätzlich minderwertig oder manipulativ dargestellt werden, überschreitet die Debatte die Grenze einer demokratischen Diskussion.“ (AFETS-Handbuch, 2026).
In digitalen Subkulturen findet oft eine gezielte Abwertung statt, die Frauen eine eigenständige Subjektivität abspricht und sie auf biologische Funktionen reduziert. Aggression wird in diesen Kreisen oft als notwendiges Mittel zur Verteidigung einer vermeintlich „natürlichen Ordnung“ legitimiert. Für die pädagogische Praxis ist das Thema von hoher Relevanz, da Jugendliche in Online-Räumen massiv mit diesen Narrativen konfrontiert werden. Problematische Inhalte aus der Manosphere werden häufig über bestimmte Begriffe, Narrative oder wiederkehrende Argumentationsmuster vermittelt. Diese tauchen oft in Videos, Kommentaren oder Diskussionen auf sozialen Plattformen auf und können auch im Schulalltag von Schüler*innen aufgegriffen werden. (AFETS-Handbuch, 2026). Fachkräfte sollten daher auf die Häufung solcher Begriffe achten, da sie Hinweise auf die Übernahme problematischer Deutungsmuster sein können.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Laura Sasse, Antifeminismus in der Sozialen Arbeit, 2025 – Analysiert Strategien antifeministischer Akteur*innen in der Sozialen Arbeit und bietet präventive Empfehlungen für soziale Träger.
Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V., Antifeminismus, 2023 – Ein umfassendes Praxis-Kompendium zu Antifeminismus mit Fokus auf pädagogische Handlungsformen und Intersektionalität.
Gunda-Werner-Institut / Andreas Kemper, Antifeministische Narrative, 2024 – Ein Diskursatlas, der 26 zentrale antifeministische Narrative und Signalwörter für die Analyse aufbereitet.
Ariane Wolf / Elisabeth Hell, Antifeminismus - Warum sexistische Ideologien eine Aufgabe für die Extremismusprävention sind, 2021 – Beleuchtet Misogynie als Verbindungselement zwischen verschiedenen extremistischen Milieus und deren Relevanz für die Prävention.
Autoritäre Männlichkeit
Der Begriff der autoritären Männlichkeit (in öffentlichen Debatten oft als toxische Männlichkeit bezeichnet) beschreibt ein Gefüge aus gesellschaftlichen Erwartungen, die Jungen und Männer dazu drängen, starren Stereotypen zu entsprechen. Diese Vorstellungen können die persönliche Entwicklung massiv einschränken, da sie wenig Raum für die freie Gestaltung der eigenen Identität lassen. Für die pädagogische Arbeit ist dabei eine klare Differenzierung zentral: Nicht Jungen oder Männer an sich sind das Problem, sondern jene Normen, die Dominanz, emotionale Härte und Kontrolle als Kernbestandteile von Männlichkeit legitimieren.
Männlichkeit wird in diesem Verständnis häufig als ein Status begriffen, der ständig vor anderen Männern bewiesen werden muss. Autoritäre Rhetorik arbeitet dabei oft mit einfachen Gegensätzen wie „Männer gegen Frauen“ oder Hierarchisierungen wie „Alpha gegen Beta“. Alles, was als „weich“ oder „schwach“ gilt, wird als Bedrohung der eigenen Position wahrgenommen und radikal abgespalten. Hier finden sich direkte Anschlussstellen zu antifeministischen Narrativen. Durch die Behauptung, dass hierarchische Geschlechterrollen „natürlich“ seien, wird Gleichstellungsarbeit als Angriff auf die männliche Identität umgedeutet. Besonders wirkmächtig ist das Narrativ des „Alphamannes“, der sich durch Dominanz definiert. Jungen, die diesen überzogenen Anforderungen nicht entsprechen können, laufen Gefahr, abgewertet zu werden.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Markus Theunert, Der Faktor M,. 2024 – Analysiert Männlichkeitsvorstellungen als Radikalisierungstreiber und empfiehlt pädagogische Interventionen zur Akzeptanz von Begrenztheit.
Jürgen Budde / Thomas Viola Rieske, Jungen in Bildungskontexten, 2022 – Ein Sammelband zur pädagogischen Jungenforschung, der Männlichkeitskonstruktionen in Bildungskontexten thematisiert.
Daniel Holtermann / Land Steiermark, Zwischen toxischen Influencern und sorgender Männlichkeit, 2024 – Stellt das Konzept der „Caring Masculinities“ vor und bietet praktische Methoden zur Förderung von Empathie bei Jungen.
Das Incel-Phänomen
Die Bezeichnung „Incel“ ist ein Akronym für „involuntary celibate“ (unfreiwillig zölibatär) und beschreibt ein digitales Milieu von Männern, die ihre Unfähigkeit, Beziehungen aufzubauen, auf das Wirken von Frauen oder den Feminismus zurückführen. Diese Online-Subkultur ist ein Teil der sogenannten Manosphere, die als loses Netzwerk antifeministischer Gemeinschaften fungiert. Zentral für dieses Weltbild ist eine kollektive Opfererzählung, in der sich Mitglieder als Benachteiligte einer vermeintlich ungerechten Gesellschaft sehen. In manchen Online-Communities entsteht daraus die Vorstellung, Männer hätten ein Anrecht auf sexuelle oder romantische Aufmerksamkeit. (AFETS-Handbuch, 2026). Dieses Anspruchsdenken führt häufig zur massiven Abwertung von Frauen.
“Gigachad”
Überzeichnete Meme-Figur, die in der Incel-Szene als Ideal männlicher Attraktivität und Dominanz verwendet wird.
Innerhalb des Milieus spielt die sogenannte „Blackpill“-Philosophie eine tragende Rolle. Dabei handelt es sich um ein fatalistisches Deutungsmuster, das davon ausgeht, dass Erfolg beim Dating rein durch Genetik und Aussehen determiniert sei. Diese Sichtweise verstärkt Gefühle der Hoffnungslosigkeit und dient als Rechtfertigung für den Hass auf jene, die in der Statushierarchie oben stehen. Es werden starre Kategorien wie „Alphas“, „Betas“ oder „Chads“ (siehe auch GLOSSAR unten) genutzt, um Beziehungen auf biologistische Prinzipien zu reduzieren. Die Kommunikation weist dabei oft Narrative der Entmenschlichung auf. In der Manosphere geschieht dies durch Begriffe wie „Foids“ (female humanoids), „Holes“ (Löcher) oder „Stacys“, die Frauen auf biologische Funktionen reduzieren und ihnen eine eigenständige Subjektivität absprechen. (AFETS-Handbuch, 2026).
Weiterführende Literatur und Quellen:
Brigitte Temel, Incels, 2022 – Bietet eine wissenschaftliche Einordnung des Incel-Phänomens mit Fokus auf den Radikalisierungsprozess der „Black Pill“.
Veronika Kracher, Frauenhassende Online-Subkulturen, 2021 – Analysiert Ideologien und Radikalisierungswege innerhalb der Incel-Szene und bietet Handlungsempfehlungen.
Vildan Aytekin, Incel-Subgruppen und ihre Dynamiken innerhalb der Mannosphäre, 2024 – Beleuchtet das spezifische Feld muslimischer Incels („Mincels“) und die Nutzung religiöser Texte zur Legitimation patriarchaler Rollenbilder.
BAG „Gegen Hass im Netz“, Tracing Online Misogyny, 2024 – Eine Analyse misogyner Praktiken in der Manosphäre und deren Einsickern in Mainstream-Plattformen.
Memes, Emojis und Codes
Die digitale Kommunikation von Jugendlichen findet heute maßgeblich über visuelle Elemente wie Emojis, Memes und Codes statt. Diese zeichnen sich durch eine hohe Mehrdeutigkeit aus, da ihre Bedeutung oft erst im Zusammenspiel von Bild, Text und dem jeweiligen Gruppenkontext entsteht. Für Außenstehende bleiben diese Zeichen häufig verschlüsselt, da sie als gruppeninterne „Inside-Jokes“ fungieren, die Identität stiften und gleichzeitig eine Abgrenzung ermöglichen. Innerhalb der Manosphäre werden diese Ausdrucksformen strategisch eingesetzt, um antifeministische Weltbilder zu normalisieren. Durch Ironisierung und Sarkasmus werden abwertende Aussagen über Frauen als „nur Spaß“ getarnt, was Widerspruch erschwert. Akteur*innen aus der Manosphere nutzen Memes strategisch, um Männer als Opfer von Feminismus darzustellen und antifeministische Weltbilder zu normalisieren. (AFETS-Handbuch, 2026)
Fachkräfte sollten jedoch eine isolierte Bewertung einzelner Symbole als Radikalisierungszeichen vermeiden. Einzelne Emojis oder Begriffe sind nicht automatisch problematisch, da viele Elemente der Szenesprache längst in die allgemeine Jugendkultur übergegangen sind. Jugendliche nutzen solche Codes oft zur bloßen Provokation, zur Suche nach Aufmerksamkeit oder aus reinem Unterhaltungsbedürfnis, ohne die zugrunde liegenden Ideologien zu teilen.
Weiterführende Literatur und Quellen:
BAG „Gegen Hass im Netz“, Tracing Online Misogyny, 2024 – Eine Analyse misogyner Praktiken in der Manosphäre und deren Einsickern in Mainstream-Plattformen.
Veronika Kracher, Frauenhassende Online-Subkulturen, 2021 – Analysiert Ideologien und Radikalisierungswege innerhalb der Incel-Szene und bietet Handlungsempfehlungen.
GLOSSAR
Redpill
Verschwörungsideologisch geprägte Weltsicht aus der Incel-Szene. Sie behauptet, Männer seien gesellschaftlich benachteiligt und müssten diese „verdeckte Realität“ erst erkennen, um sich gegen Feminismus und angebliche Machtstrukturen zu stellen. Anspielung auf den Film „Matrix”.
Bluepill
Abwertender Begriff aus der Incel-Szene für Menschen, die die eigene (Red-/ Blackpill) Weltsicht nicht teilen. Gemeint sind Personen, die vermeintliche Benachteiligungen von Männern nicht erkennen und in „unwissender“ Zufriedenheit leben, oft mit Bezug auf liberale oder linke Positionen.
Blackpill
Eine fatalistische Strömung der Incel-Szene. Sie geht davon aus, dass Beziehungserfolg allein vom Aussehen abhängt und damit von Geburt an feststeht. Männer, die sich als unattraktiv sehen, gelten als dauerhaft chancenlos.
Pink Pill
Weibliche Variante der Blackpill-Ideologie. Obwohl Incels nicht glauben, dass Frauen Teil ihrer Gemeinschaft sein können beschreibt sie die Vorstellung einiger Frauen, dass sie unabhängig von ihren Bemühungen, gesellschaftliche Schönheitsideale zu erfüllen, keinen Partner finden werden.
Dogpill
Der Incel-Glaube, dass Frauen Sex mit Hunden haben und dies dem Sex mit einem Incel vorziehen würden.
Scientific Blackpill
„Wissenschaftliche“ Belege, die von Incels zur Unterstützung ihrer Ideologie verwendet werden. Diese Belege bestehen meist aus falsch interpretierten Daten aus breiteren wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Studien, die von Incels genutzt werden, um das Verhalten von Frauen zu erklären.
Incel
Online-Subkultur von (meist jungen) Männern, die unfreiwillig zölibatär sind und dafür Frauen bzw. Feminismus schuldig machen. Sie glauben, sie seien zu unattraktiv, um von Frauen begehrt zu werden, da alle Frauen oberflächlich und hypergam seien.
Truecel / Trucel
Bezeichnung für einen „wahren" Incel, mit der Überzeugung, wahrhaft unfreiwillig im Zölibat zu leben, da jede Hoffnung verloren sei.
Fakecel
Eine abwertende Bezeichnung innerhalb der Incel-Subkultur für Männer, die lediglich vorgeben, unfreiwillig zölibatär zu sein. Als „Fakecels“ werden Personen diskreditiert, die bereits sexuelle Erfahrungen gesammelt haben oder über physische Merkmale verfügen, die ihnen eine Partnerwahl theoretisch ermöglichen würden.
Unzöl
Eingedeutschte Version von Incel, bestehend aus „unfreiwillig" und „Zöllibat".
Fapfuel
Material, das zur Masturbation verwendet wird.
Lifefuel
Ein Begriff für alles, das Incels dazu ermutigen, weiterzuleben und sich nicht zu suizidieren.
Ragefuel
Handlungen, Ereignisse oder Informationen, die bei Incels Wut erzeugen.
Suifuel
Kurz für „Suizidtreibstoff", ist eine Idee oder ein Beitrag, der einen Incel weiter in Selbsthass treibt und seinen Wunsch verstärkt, sich umzubringen.
Looksmaxxing
Bezeichnet das Bestreben, die eigene physische Attraktivität durch verschiedene Methoden (z.B. bonesmashing, mewing) gezielt zu maximieren, um das individuelle ästhetische Potential auszuschöpfen und den sogenannten „sexuellen Marktwert“ (SMV) zu steigern.
Gymmaxxing
Spezifische Form des „Looksmaxxing”, bei der die Steigerung der Attraktivität durch intensives Krafttraining im Fitnessstudio angestrebt wird. Das Ziel ist der Aufbau von Muskelmasse und die Steigerung des Selbstbewusstseins, um dem maskulinen Idealbild eines „Alphas“ oder „Chads“ näherzukommen.
Moneymaxxing
Das gezielte Ausüben von Aktivitäten zur Einkommenserzielung, in der Annahme, dass ein höheres Einkommen den eigenen „Sexual Market Value“ (SMV) steigert und dadurch den Erfolg beim Dating erhöht.
Statusmaxxing
Den eigenen sozialen Status gezielt zu erhöhen, um den „Sexual Market Value“ (SMV) zu steigern und dadurch den Datingerfolg zu verbessern. Beispiele sind etwa das Anstreben einer prestigeträchtigen Karriere, sportlicher Erfolg oder das Erlangen von Bekanntheit.
Ropemaxxing
Suizid begehen (Rope = Anspielung auf Erhängen)
80/20 Rule
Auch als Pareto-Prinzip bekanntes Modell, beschreibt hier, dass 80% der Frauen nur die „obersten" 20% der Männer als attraktiv wahrnehmen bzw. Beziehungen mit ihnen eingehen, und die übrigen 80% der Männer sich die verbleibenden 20% der Frauen teilen müssen.
Alpha (-Mann)
Männer, die an der Spitze einer angenommenen, sozialen und sexuellen Hierarchie stehen. Werden als besonders attraktiv, dominant, selbstbewusst und sexuell erfolgreich gesehen.
Antifeminismus
Umfasst Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich gegen die Frauenbewegung respektive den Feminismus und dessen Errungenschaften richten. Zeigt sich als lose, reaktionäre Gegenbewegung gegen Frauenrechte und Gleichstellungsbestrebungen und findet sich über verschiedene politische und ideologische Lager hinweg.
Ascend
Aufsteigen; den Ausstieg aus dem „Inceldom" durch das Eingehen freiwilliger sexueller Beziehungen mit einer Frau (also z.B. ohne Bezahlung).
Based
In rechten Online-Subkulturen als positives Attribut für eine person, die als nicht „politisch Korrekt“ wahrgenommen wird und ihre Ansichten offen vertritt, unabhängig von möglichen Konsequenzen. Beschreibt vor allem unkonventionelle oder provokante Aussagen, denen zugestimmt wird.
Becky
„Beckys” sind durchschnittlich attraktive Frauen und belegen einen niedrigeren sozialen Status als „Stacys”. Sie repräsentieren die Mehrheit der Frauen. Mitglieder der Manosphere äußern oft eine Bitterkeit ihnen gegenüber, da sie das Gefühl haben, dass diese „minderwertigen" Frauen ihnen Geschlechtsverkehr oder Beziehungen schulden.
Beta (-Mann)
Bezeichnung für einen als durchschnittlich, konfliktscheu und wenig selbstbewusst wahrgenommenen Mann. In Online-Subkulturen wird er oft als Gegenpol zum „Alpha-Mann“ verstanden und mit geringerer sozialer und sexueller Attraktivität assoziiert.
Betabux / Beta Cuck
Abwertender Begriff aus Incel- und Online-Subkulturen für einen als „unterwürfig“ wahrgenommenen Mann in einer Beziehung, der angeblich vor allem wegen finanzieller Sicherheit gewählt wird. Ihm wird zugeschrieben, von seiner Partnerin ausgenutzt zu werden und als „zweite Wahl“ gegenüber attraktiveren Männern („Chads”) zu gelten.
Bone smash theory / bonesmashing
Beschreibt die Vorstellung, dass wiederholte Gewalteinwirkung auf Knochen (vor Allem im Gesicht) die Knochenstruktur und das Aussehen positiv verändern können.
Chad
Stereotype Bezeichnung für einen besonders attraktiven, dominanten und sexuell erfolgreichen Mann, der als Idealfigur in bestimmten Online-Subkulturen gilt. „Chad“ wird als körperlich überdurchschnittlich attraktiv dargestellt der einem idealisierten Schönheitsbild entspricht. Der Begriff wird teils auch in ethnisch variierenden Varianten verwendet (z. B. „Tyrone“, „Chaddam", „Chadpreet", „Chang", „Chadriguez").
Cock carousel (Schwanzkarussell)
Eine Lebensphase junger Frauen (ca. 16–25 Jahre), in der ihnen zugeschrieben wird, häufig wechselnde Sexualpartner zu haben und in ihren späten 20ern „zur Ruhe kommen“ und sich für weniger attraktive Männer entscheiden.
Cope
Das Anwenden von Bewältigungs- oder Ablenkungsstrategien im Umgang mit der als belastend empfundenen Situation als Incel. Wird von Incels oft abwertend verwendet, um anderen vorzuwerfen, sie würden unangenehme „Wahrheiten“ durch Realitätsverdrängung umgehen.
Cuck
Abwertender Begriff für einen als schwach oder „entmannt“ dargestellten Mann. Wird in Online-Subkulturen und der Alt-Right als Schimpfwort zur Diffamierung profeministischer Männer verwendet, Bezug auf den Fetisch „Cuckolding”.
Foid / Femoid
Kofferworte aus „female” und “humanoid”. Dienen primär dazu, Frauen systematisch herabzuwürdigen und ihnen ihren menschlichen Status abzusprechen und auf ihre Funktion als Sexualobjekt zu reduzieren.
Game
Vorstellung, dass Verführung ein systematisches Vorgehen mit bestimmten Techniken und Regeln sei.
Giga- (prefix)
Präfix aus Incel- und Meme-Kultur, das eine extreme Steigerung von Attraktivität beschreibt (z. B. „Gigachad“ als top 0,1 % männlicher Attraktivität).
Going ER
Amoklauf begehen. ER = Elliot Rodger, misogynistischer Attentäter.
Going Monk
Vollständiger Rückzug aus Beziehungen zu Frauen.
High-Value-Man
Vorstellung, dass Männer ihren Wert durch Geld, Dominanz oder Attraktivität steigern müssen.
Hypergamy
Annahme, dass Frauen primär Beziehungen mit Männern höheren sozialen, wirtschaftlichen oder physischen Status eingehen, um ihren eigenen Status zu erhöhen.
KHHV
Kissless, Hugless, Handholdless Virgin.
LARP
Ursprünglich Reales Nachspielen fiktiver Rollen. Abwertend verwendet für Personen, die angeblich eine falsche Identität oder ein erfundenes Leben darstellen.
LDAR
Abkürzung für „Lay Down and Rot“ („Leg dich hin und verrotte"), ein Ausdruck für das vollständige Aufgeben von Selbstverbesserung oder sozialer Aktivität.
Lookism
Annahme, dass gesellschaftlicher Erfolg ausschließlich von äußerer Attraktivität abhängt.
Manlet / Manlette
Ein kleiner Mann.
Manosphere
Ein Sammelbegriff für ein loses, digitales Netzwerk aus verschiedenen antifeministischen und misogynen Online-Gemeinschaften, Websites und Social-Media-Profilen.
Men's rights activists
Gruppen, die behaupten, Männer würden rechtlich oder gesellschaftlich benachteiligt.
MGTOW
„Men Going Their Own Way”. Befürworten einen separatistischen Lebensstil und raten Männern, Beziehungen oder Ehe mit Frauen zu vermeiden.
Misogynie
Die systematische Abwertung von Frauen und von Eigenschaften, die gesellschaftlich als „weiblich“ gelten. Sie zeigt sich in offener Feindseligkeit, Abwertung oder sogar Gewalt.
Mogs / Mogged
Jemanden dominieren oder demütigen allein durch größere körperliche Attraktivität (z.B. „height mogged").
NEET
„Not in Education, Employment, or Training”; Selbstbezeichnung für den Rückzug aus der Gesellschaft und soziale Isolation.
Normie
Menschen, die nicht Teil der Incel/Blackpill-Community sind.
PSL rating
Ein 10-Punkte-Bewertungssystem zur Einschätzung der körperlichen Attraktivität (entwickelt in Foren wie „PUAhate“ oder „Lookism“).
PUA (Pick-up artists)
Communities, die Strategien und manipulative psychologische Techniken vermitteln, um Frauen gezielt zu verführen.
Ragebait
Inhalte, die gezielt darauf ausgelegt sind, bei Außenstehenden oder politischen Gegnern Wut oder Empörung auszulösen (oft durch „Shitposting“).
Roastie
Abwertender, misogyn geprägter Begriff für eine sexuell aktive Frau; basiert auf anatomisch falschen Vorstellungen über weibliche Genitalien.
Sexual Marketplace
Moderne Datingwelt.
Sexual marketvalue (SMV)
Maß an, in dem eine Person als sexuell anziehend oder begehrenswert wahrgenommen wird.
Sexismus
Form der strukturellen Diskriminierung, bei der Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts benachteiligt werden. Tief in Normen und Institutionen verankert.
Shitposting
Gezieltes Erstellen von bewusst unkonstruktiven Beiträgen, um Online-Diskussionen zu stören oder zu sabotieren.
Simp
Abwertende Bezeichnung für einen Mann, der Frauen angeblich zu viel Aufmerksamkeit oder Respekt zeigt.
Soyboy
Abwertender Begriff für profeministische Männer; basiert auf der unbegründeten Idee, Sojakonsum wirke „verweichlichend“.
Stacy
Stereotype Bezeichnung für eine hyperfeminine, attraktive Frau; Gegenstück zum „Chad”, oft als oberflächlich beschrieben.
The Wall
Behauptung, Frauen würden ab einem bestimmten Alter (25 - 30) schlagartig ihre Attraktivität verlieren.
Thot
"That whore over there"
Toxische Männlichkeit
Gesellschaftliche Erwartungen, die Männer zu starren Stereotypen drängen (stark, hart, aggressiv, unverwundbar).
Tradwife
„Traditional wife“. Online-Subkultur, in der sich Frauen als reine Hausfrauen inszenieren, oft verknüpft mit antifeministischen oder rassistischen Narrativen.
